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Aus der Praxis von Suzanne: Sara und ihre Hitzewallungen in den Wechseljahren

Lesezeit: ca. 8 Minuten
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Woman with shoulder-length blonde hair wearing a navy blouse and hoop earrings, smiling indoors with a blurred plant in the background
Autor:Suzanne Rouhard
Woman with long brown hair sitting on a couch, softly lit by natural light, looking calmly at the camera in a cozy living room.

Inhaltsverzeichnis

Als Hormontherapeutin spricht Suzanne täglich mit Frauen, die feststellen, dass die Wechseljahre ihre Schlafqualität, Stimmung, Energie und ihr tägliches Funktionieren zunehmend beeinflussen. In dieser Rubrik teilt sie anonymisierte Geschichten aus ihrer Praxis, um Wiedererkennung zu schaffen und aufzuzeigen, welche Faktoren eine Rolle spielen können.

Die Geschichte von Sara

Ich erinnere mich noch gut daran, als Sara Kontakt zu mir aufnahm, um einen Termin für ein Erstgespräch zu vereinbaren. Sie berichtete, dass sie bereits seit einiger Zeit das Gefühl habe, sich selbst verloren zu haben, und dass sie stark unter Hitzewallungen und nächtlichem Schwitzen leide. Ihre Stimmung war belastet, was sich auch auf ihr Umfeld auswirkte. Sie machte deutlich, dass es so nicht weitergehen könne.

Bei unserem ersten Termin kam sie gehetzt herein. Sie war im Stau stecken geblieben, nachdem sie eine Besprechung früher verlassen hatte, um pünktlich zu sein. Ich spürte sofort, wie angespannt sie war. Sie stand noch völlig unter Strom. Erst als sie ihren Mantel ausgezogen, ihr Handy auf lautlos gestellt hatte und mit einer warmen Tasse Tee saß, begann sie, ihre Geschichte zu erzählen.

Seit etwa drei Jahren bemerkte sie, dass sich etwas veränderte. Die Hitzewallungen wurden intensiver, die Nächte unruhiger, und tagsüber fühlte sie sich weniger konzentriert. Nicht gerade ideal, denn als Maklerin musste sie ständig präsent sein und den Überblick behalten. Sie erzählte, dass sie immer häufiger Fehler mache, obwohl sie eigentlich jemand sei, der es gewohnt war, alles unter Kontrolle zu haben. Früher schien sie sogar besser zu funktionieren, je größer der Druck wurde. Sie trug viel Verantwortung und war diejenige, auf die sich andere verließen. Jetzt sehne sie sich manchmal danach, sich unter ihrer Bettdecke zu verstecken und einfach nichts mehr tun zu müssen. Das mache sie unsicher und ängstlich. Sie erkenne sich selbst nicht wieder.

Irgendwann sagte sie, mit Tränen in den Augen, dass sie das Gefühl habe, diese blöden Hormone würden ihr Leben ruinieren.

Was mich an Frauen wie Sara oft berührt, ist, dass sie sehr lange weitergemacht haben. Erst wenn es wirklich nicht mehr möglich ist, entsteht Raum, innezuhalten und darauf zu achten, was ihr Körper die ganze Zeit über zu vermitteln versucht hat.
Suzanne RouhardHormoontherapeut

Was lag den Beschwerden zugrunde?

Während des Gesprächs wurde immer deutlicher, dass Saras Beschwerden nicht isoliert betrachtet werden konnten. Die Wechseljahre können unter anderem die Temperaturregulation, den Schlaf, die Stimmung und die Konzentration beeinflussen. Gleichzeitig fiel mir bei ihr noch etwas anderes auf: Sie hatte über Jahre hinweg in einem hohen Tempo gelebt, unter großem Druck, mit wenig Erholung und einer Neigung, einfach weiterzumachen. In einer solchen Situation können Wechseljahresbeschwerden stärker in den Vordergrund treten. Die verschiedenen Ebenen schienen bei ihr deutlich miteinander verwoben zu sein.

Auch ihre Vorgeschichte spielte möglicherweise eine Rolle. Sie berichtete, dass sie eine schwierige Kindheit und eine belastende Beziehung hinter sich hatte. Solche Erfahrungen verschwinden nicht immer im Hintergrund. Bei einigen Frauen beobachten wir, dass alte Spannungen oder Überlebensmuster gerade in den Wechseljahren sichtbarer werden, insbesondere wenn der Körper weniger Kapazität hat, alles weiterhin zu kompensieren.

Es wurde ebenfalls deutlich, wie schwer es ihr fiel, nachsichtig mit sich selbst zu sein. Ruhe zuzulassen fühlte sich für sie schnell wie ein Versagen an. Grenzen zu setzen empfand sie als Egoismus. Während ihr Körper nach Entschleunigung zu verlangen schien, drängte ihr Kopf sie dazu, weiterzumachen. Erst als sie allmählich begann zu verstehen, dass ihre Beschwerden nicht einfach ein Zeichen von Schwäche waren, sondern möglicherweise auch ein Signal für Überlastung, entstand etwas mehr Raum, ihre Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

Welche Faktoren verschlimmerten die Beschwerden?

Im Alltag gab es mehrere Faktoren, die ihrer Genesung im Wege zu stehen schienen. Sie lebte unter ständigem Zeitdruck, gönnte sich nur wenige Ruhepausen und vernachlässigte regelmäßig ihre Ernährung. So berichtete sie, dass sie häufig spät nach Hause kam und dann schnell etwas Einfaches aß, da ihr schlichtweg die Energie fehlte, noch richtig zu kochen. Schnelle Mahlzeiten waren oft praktischer als frisch zu kochen. Dies ist in einem hektischen Alltag nachvollziehbar, kann jedoch dazu beitragen, dass man sich körperlich weniger stabil fühlt. Auch unterbrochene Nächte aufgrund von nächtlichem Schwitzen können sich tagsüber negativ auf Energie, Reizbarkeit und Konzentration auswirken.

Bei Sara stellte ich zudem fest, dass hohe Erwartungen an sich selbst eine wesentliche Rolle spielten. Sie war es gewohnt, viel zu leisten, und hatte über einen langen Zeitraum das Gefühl, vor allem stark bleiben zu müssen. Dadurch hielt sie sich nach außen hin noch eine Weile über Wasser, während ihre Beschwerden innerlich bereits erheblichen Einfluss hatten. Wir beobachten häufig, dass Frauen ihre Beschwerden lange bagatellisieren oder rationalisieren, insbesondere wenn sie es gewohnt sind, viele Herausforderungen zu bewältigen. Dies kann dazu führen, dass sie erst spät Hilfe in Anspruch nehmen.

Wechseljahresbeschwerden haben oft mehrere Ebenen. Es geht nicht nur um Hormone, sondern auch darum, wie eine Person lebt, sich erholt, mit Belastungen umgeht und Grenzen setzt.
Suzanne RouhardHormontherapeut

Welche Vorgehensweise wählte sie?

Die Betreuung von Sara bestand nicht aus einer einzigen Lösung, sondern aus mehreren Schritten, die individuell auf ihre Beschwerden und ihren Lebensstil abgestimmt waren. Zunächst lag der Schwerpunkt auf Achtsamkeit und Bewusstwerdung. Wir hielten inne, um zu verstehen, was während der Wechseljahre im Körper vor sich geht und welche Faktoren die Beschwerden verstärken können. Allein dieses Verständnis gab ihr bereits mehr Stabilität.

Zusätzlich nahmen wir gemeinsam ihre grundlegenden Gewohnheiten unter die Lupe. Schritt für Schritt stellte sie ihre Ernährung um, wobei der Fokus auf Regelmäßigkeit und Lebensmitteln lag, die sich besser in ihren Alltag integrieren ließen. Ziel war es nicht, alles plötzlich zu verändern, sondern vielmehr die Frage zu beantworten, was ihren Körper in diesem Moment am besten unterstützen könnte. Durch praktische Anpassungen stellte sich heraus, dass diese Veränderungen für sie leichter umsetzbar waren, als sie zunächst angenommen hatte. Darüber hinaus wurde verstärkt auf Ruhe und Erholung geachtet. Wir besprachen, wie sie Überlastungssignale frühzeitig erkennen und welche kleinen Anpassungen sie in ihren Alltag integrieren könnte.

Auch die Unterstützung des Nervensystems wurde in Betracht gezogen, und wir wählten Kräuter aus, die speziell auf ihre Situation abgestimmt waren.

Was ändert sich für Sara?

Die Veränderung erfolgte nicht in einer geraden Linie. Das ist auch selten realistisch. Sara bemerkte jedoch allmählich, dass sie mehr Kontrolle über ihre Beschwerden und ihren Alltag gewann. Ihre Nächte wurden ruhiger, sie fühlte sich weniger gehetzt und erkannte schneller, wann sie sich wieder zu viel abverlangte. Gelegentlich fiel sie noch in alte Muster zurück, doch der Unterschied bestand darin, dass sie diese früher bemerkte und besser wusste, was ihr helfen konnte, um gegenzusteuern.

Vielleicht noch wichtiger: Ihr Blick auf sich selbst veränderte sich. Sie musste weniger gegen das ankämpfen, was sie fühlte. Dadurch kehrte mehr Ruhe ein. Nicht, weil plötzlich alles gelöst war, sondern weil sie mehr Verständnis für das entwickelte, was in ihr vorging, und anders darauf reagieren konnte. Bei einem ihrer nächsten Termine erzählte sie, dass sie sich wieder wohler in ihrer Haut fühlte und dankbar war, diesen Schritt gegangen zu sein.

Was wir anderen Frauen mitgeben möchten

Was ich aus solchen Geschichten immer wieder mitnehme, ist, dass Wechseljahresbeschwerden selten isoliert vom restlichen Leben betrachtet werden können. Hitzewallungen, schlechter Schlaf, Reizbarkeit oder mentale Unruhe können zwar mit hormonellen Veränderungen zusammenhängen, jedoch ebenso mit langanhaltendem Stress, mangelnder Erholung und Verhaltensmustern, bei denen jemand ständig über die eigenen Grenzen hinausgeht. Das bedeutet nicht, dass alles kontrollierbar ist. Es kann jedoch hilfreich sein, Beschwerden ernst zu nehmen und umfassender zu analysieren, welche Faktoren möglicherweise Einfluss haben könnten.

Viele Frauen sind es gewohnt, einfach weiterzumachen. Gerade deshalb vergeht manchmal viel Zeit, bis sie sich den Raum nehmen, wirklich auf die Signale ihres Körpers zu hören. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, zunächst die Faktoren zu betrachten, auf die man selbst Einfluss hat, wie Ernährung und Lebensstil, Schlaf und Erholung. Halten die Beschwerden an oder findet man alleine keine Lösung, kann eine Fachkraft dabei unterstützen, gemeinsam herauszufinden, was die Ursache sein könnte und welche Maßnahmen hilfreich wären.

Welche Unterstützung sinnvoll ist, unterscheidet sich von Frau zu Frau. Genau deshalb ist es wichtig, nicht nur einzelne Beschwerden isoliert zu betrachten, sondern auch den Kontext, die Belastungen und das, was im Alltag umsetzbar ist.

Jeder Übergang verläuft unterschiedlich. Genau aus diesem Grund halte ich es für wichtig, nicht nur das Symptom zu betrachten, sondern die Frau als Ganzes sowie das, was sie in dieser Phase benötigt.
Suzanne RouhardHormontherapeut

Erkennen Sie Beschwerden wie in dieser Geschichte?

Diese Fallgeschichte zeigt, wie unterschiedlich Wechseljahresbeschwerden mit dem Leben, der Belastung und der Erholung einer Person zusammenhängen können. Der Ansatz ist stets individuell, und nicht jede Frau benötigt dasselbe. Möchten Sie Ihre Situation überprüfen lassen, kann ein Erstgespräch dabei helfen, herauszufinden, was für Sie passend ist.

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Quellen und medizinischer Kontext

Dieser Artikel basiert auf Praxiserfahrungen eines Spezialisten. Um die Privatsphäre des Patienten zu schützen, wurden Name und erkennbare Details geändert. Die Informationen in diesem Artikel dienen Bildungszwecken und ersetzen keinen persönlichen medizinischen Rat.