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Wie Stress Ihre Wechseljahre beeinflusst (und die Auswirkungen sind größer, als Sie denken)

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Redaktion SeeMe-nopause
Autor:Redaktion SeeMe-nopause
A stressed woman in a grey sweater sitting at a desk with a laptop and scattered papers, holding her head with both hands.

Inhaltsverzeichnis

In unserer heutigen Gesellschaft sind wir praktisch ständig „auf Empfang“. Wir eilen von einem Termin zum nächsten, und die To-do-Liste scheint niemals kürzer zu werden. Hinzu kommt, dass wir Frauen uns oft keine oder zumindest nicht genügend Ruhe gönnen. Dies hat Auswirkungen auf den Hormonhaushalt, die während der Wechseljahre besonders spürbar sind.

Die Hormontherapeutin Suzanne Rouhard erläutert die Auswirkungen von Stress auf die Menopause.

Wenn Sie zu oft „auf Empfang“ sind

Wir haben einen anspruchsvollen Beruf oder führen ein eigenes Unternehmen, kümmern uns um die Familie und/oder unsere Eltern und pflegen ein aktives soziales Leben. Gleichzeitig prasseln über Smartphone und Tablet ständig neue Reize auf uns ein.

Wir haben das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen, und haben verlernt, wie man einen Gang zurückschaltet. All diese Reize und die ständige Hektik wirken auf unseren Körper wie eine Stressreaktion in einer akuten, lebensbedrohlichen Situation.

Was passiert in Ihrem Körper bei Stress?

Genetisch betrachtet sind wir immer noch so programmiert wie die Menschen vor der landwirtschaftlichen Revolution, als wir Jäger und Sammler waren. Damals waren wir mit lebensbedrohlichen Situationen konfrontiert, wie etwa einem Angriff durch einen Säbelzahntiger.

Ihr Gehirn reagiert auf solche Gefahren mit einer Kettenreaktion von Vorgängen in Ihrem Körper. Das sympathische Nervensystem löst nahezu augenblicklich eine Kampf- oder Fluchtreaktion aus, die Ihren Körper darauf vorbereitet, aktiv zu werden und sich in Sicherheit zu bringen. Die Stresshormone Adrenalin und Cortisol spielen dabei eine zentrale Rolle.

Was bewirkt Adrenalin?

  • Erhöhter Blutdruck und gesteigerte Herzfrequenz
  • Ihre Muskeln spannen sich an, und Blut wird von anderen Organen abgezogen, um es den Muskeln zur Verfügung zu stellen
  • Ihre Pupillen weiten sich
  • Ihre Verdauung wird heruntergefahren (denn in Gefahrensituationen isst man nicht)

Was bewirkt Cortisol?

Gleichzeitig gibt die Hypophyse, eine kleine Drüse in Ihrem Gehirn, den Nebennieren den Befehl, Cortisol zu produzieren. In einer gefährlichen Situation sorgt Cortisol dafür, dass der Blutzuckerspiegel ansteigt und der Stoffwechsel angekurbelt wird. So wird mehr Energie bereitgestellt, um die stressige Situation zu bewältigen.

Insgesamt ist dies eine clevere (und logische) Reaktion Ihres Körpers, um Sie auf Aktion vorzubereiten.

Ihr Körper unter Dauerstress

Wenn Sie ständig „auf Empfang“ sind und sich nicht genügend Ruhe gönnen, zeigt Ihr Körper diese Reaktion den ganzen Tag über. Chronischer Stress also. Und genau das wird für viele Frauen zum Problem.

Ihr Körper unterscheidet nicht zwischen dem Stress einer akuten Gefahr (wie einem Auto, das auf Sie zufährt, während Sie über einen Zebrastreifen gehen) und dem Stress, ständig im Aktionsmodus zu sein. Die Reaktion des Körpers ist vielleicht weniger intensiv als bei akuter Gefahr, aber sie ist dauerhaft vorhanden. Das bedeutet, dass Ihr Körper über einen längeren Zeitraum Cortisol produziert – und das hat Auswirkungen auf Ihre Gesundheit und Ihren Hormonhaushalt.

Der Körper funktioniert weniger gut

Eine langfristige Cortisolproduktion geht auf Kosten anderer wichtiger Körperfunktionen. Die Verdauung wird beispielsweise heruntergefahren, sodass Nahrung nicht richtig verdaut und Nährstoffe weniger gut aufgenommen werden. Dabei benötigen Sie diese Nährstoffe gerade für die Hormonproduktion. Viele Frauen leiden daher unter Verdauungsproblemen wie Sodbrennen, einem aufgeblähten Gefühl und Darmbeschwerden.

Außerdem verlangt Ihr Körper nach mehr Kohlenhydraten, um sicherzustellen, dass Sie genug Energie haben, um zu fliehen oder zu kämpfen. Denn das ist es, was Ihr Körper denkt, dass er braucht: Energie, um Sie in Sicherheit zu bringen.

Wenn dieser Zustand zu lange anhält, ist Ihr Körper nicht mehr in der Lage, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten, Entzündungen zu hemmen und das Immunsystem richtig arbeiten zu lassen. Das Ergebnis? Sie fühlen sich müde – sowohl mental als auch körperlich – und getrieben.

Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe

Langfristiger Stress belastet Ihre Hormone und kann Wechseljahresbeschwerden verstärken. Verstehen Sie, was in Ihrem Körper passiert, und finden Sie heraus, wie Sie ihn wieder ins Gleichgewicht bringen – mit mehr Ruhe, Erholung und Resilienz. Benötigen Sie zusätzliche Unterstützung? Informieren Sie sich über die Möglichkeiten, Ihre Wechseljahresbeschwerden zu lindern.

Cortisol während der Wechseljahre

Cortisol hat also langfristig weitreichende Folgen für Ihr Wohlbefinden. Wenn Sie über einen längeren Zeitraum im Aktionsmodus bleiben und sich zu wenig Ruhe gönnen, steigt der Cortisolspiegel so stark an, dass Ihr Hormonsystem aus dem Gleichgewicht gerät. Ihr Körper ist schließlich nicht dafür gemacht, ständig in diesem „Eile-und-Hektik-Modus“ zu sein. Was genau bewirkt das Stresshormon mit Ihren Geschlechtshormonen während der Wechseljahre?

Die wichtige Funktion der Nebennieren

Die Nebennieren, die Cortisol produzieren, sind Ihr Backup-System nach der Menopause. Das bedeutet, dass sie die benötigte Menge an Östrogen und Progesteron produzieren, wenn Ihre Eierstöcke damit aufgehört haben. Das heißt, dass Sie jetzt noch besser auf Ihre Nebennieren achten sollten als vor den Wechseljahren.

Aber wenn Sie ständig unter Druck stehen und Stress haben, stehen Ihre Nebennieren vor einer Entscheidung: Welche Hormone produzieren wir aus den verfügbaren Bausteinen? Da unser Überlebensinstinkt evolutionär bedingt immer Vorrang hat, entscheidet sich Ihr Körper für die Produktion von Cortisol statt für die Produktion von Östrogen und Progesteron. Das Ergebnis ist ein Ungleichgewicht Ihrer Hormone.

Ihr Körper tut genau das, was nötig ist, aber leider ist das in der Welt, in der wir heute leben, nicht immer ideal.

Ist Ihr Nervensystem überaktiv?

Oft merken Sie selbst gar nicht, dass Sie ständig im Aktionsmodus sind. Sie leben schließlich schon seit Jahren so. All die Hektik und Getriebenheit sind zu Ihrem Referenzrahmen geworden.

Vielleicht bemerken Sie jedoch, dass Ihre Beschwerden beispielsweise im Urlaub nachlassen. Das sagt eigentlich schon alles: Im Urlaub sind Sie entspannt, und Ihr Körper hat die Möglichkeit, sich auf die Produktion der Geschlechtshormone statt auf Cortisol zu konzentrieren. Das spüren Sie sofort.

Andere Anzeichen dafür, dass Ihr Nervensystem überaktiv ist (und Sie sich öfter Ruhe gönnen sollten):

  • Sie sind reizbar und schnell genervt
  • Sie benötigen morgens Kaffee, um wach zu werden
  • Sie lachen weniger als früher
  • Sie haben das Gefühl, nicht alles unter Kontrolle zu haben
  • Sie fühlen sich regelmäßig durch Kleinigkeiten gestresst
  • Sie haben deutlich weniger Lust auf Sex
  • Sie sind perfektionistisch und akzeptieren es nicht, wenn etwas mal nicht nach Plan läuft
  • Sie schlafen schlecht ein/durch oder kommen morgens nicht aus dem Bett
  • Sie empfinden Ihr Glas Wein beim Abendessen als die einzige Entspannung des Tages

Stress in den Wechseljahren reduzieren

Erkennen Sie mehrere dieser Anzeichen? Indem Sie häufiger Ruhepausen einlegen, helfen Sie Ihrem Körper, sich zu erholen und Ihre Hormone besser ins Gleichgewicht zu bringen. Kleine Anpassungen können bereits einen Unterschied machen.

Wie Sie Ihr Nervensystem beruhigen können:

  • Planen Sie täglich eine Ruhepause in Ihrem Kalender ein. Das muss gar nicht viel Zeit in Anspruch nehmen. Beginnen Sie mit fünf bis zehn Minuten, in denen Sie etwas Entspannendes tun, wie tiefes Bauchatmen, Meditation, Tanzen oder einen kurzen Spaziergang in der Natur.
  • Duschen Sie sich nach einer warmen Dusche kalt ab. Kaltes Wasser ist ein echter akuter Stressreiz für den Körper. Und dieser akute Reiz wirkt chronischem Stress entgegen. Wenn es Ihnen schwerfällt, beginnen Sie mit Ihren Füßen und Waden und arbeiten Sie sich langsam nach oben.
  • Schreiben Sie jeden Tag auf, wofür Sie dankbar sind. Dankbarkeitsgefühle sind nachweislich heilsam für unsere Gesundheit. Sie geben sofort positive Energie, was sich auf Ihr Nervensystem auswirkt. Schreiben Sie jeden Abend auf, wofür Sie dankbar sind. Hatten Sie ein nettes Gespräch mit jemandem im Supermarkt oder haben Sie die Salatpause auf einer sonnigen Terrasse genossen? Es kann alles Mögliche sein.
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Linderung Ihrer Beschwerden in den Wechseljahren

Füllen Sie einen Online-Fragebogen aus und erhalten Sie von einer Ärztin oder einem Arzt eine persönlicher Behandlungsplan, die auf Ihre persönliche Situation, Ihre Präferenzen und Ihren Gesundheitszustand abgestimmt ist.

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