Lesezeit: 7 Minuten
Suzanne Rouhard
Suzanne Rouhard
(Menopauzespecialst)
Neuestes Update: 10-06-2024
Lesezeit: 7 Minuten

Eine Wechseljahreberaterin erzählt: So erlebe ich die Wechseljahre

Als Wechseljahreberaterin hat frau natürlich alles im Griff. Sie hat vielleicht einige Beschwerden, aber die sind zu vernachlässigen. Sie weiß nämlich immer genau, was sie tun muss, um ihre Hormone so gut wie möglich unter Kontrolle zu halten. Oder? Nun, das stimmt nicht ganz. Wechseljahreberaterin Suzanne Rouhard teilt ihre Erfahrungen, die sie bis jetzt mit den Wechseljahren gemacht hat.

Häufig werde ich von Kundinnen gefragt: ‚Wie erleben Sie selbst die Wechseljahre eigentlich, mit Ihrem gesamten Wissen haben Sie doch sicher überhaupt keine Beschwerden, oder?‘ Ich kann Ihnen aber sagen, genauso, wie ein Bäcker zu Hause kein Brot backt, genauso wende ich mein Wissen für mich auch nicht immer an. 

Meine Wechseljahre-Erfahrung

Ich sage immer, dass frau ab dem 45. Lebensjahr in den Wechseljahren ist. Selbst bin ich 52, also auch seit einigen Jahren mittendrin. Ich befinde mich noch nicht in der Menopause, sie kommt aber immer näher. Meine Zyklen verändern sich schon seit einiger Zeit. Ein deutliches Zeichen, dass die Peri-Menopause begonnen hat. 

Verändertes Menstruationsmuster

Häufig fragen Frauen mich auch, ob die Veränderungen, die sie hinsichtlich ihrer Menstruation erleben, normal sind. Und eigentlich ist alles normal. Von kurzen bis hin zu langen Zyklen und von leichten bis heftigen Menstruationen. Dieser Zeitraum verläuft nicht reibungslos, das erfahre ich am eigenen Leib.  

Sollten Ihre Tage wirklich sehr heftig ausfallen, sollten Sie einen Termin mit Ihrem Arzt vereinbaren. Auch, wenn Sie wieder Blutungen bekommen, nachdem Sie schon ein Jahr lang keine mehr hatten, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Es kann sich dann beispielsweise um ein Myom oder einen Polypen handeln.

Ich persönlich empfinde diese wechselnden Zyklen nicht als störend und achte darauf, dass ich jeden Moment gut vorbereitet bin. Ich kann die Uhr nun einmal nicht mehr danach stellen.

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Gewichtszunahme in den Wechseljahren

Was ich außerdem merke? Ich nehme, wie viele Frauen in den Wechseljahren, einfach zu. Doch dafür sind mehrere Ursachen verantwortlich. Auch wenn ich süchtig nach Schokolade bin, versuche ich doch, mich zu beherrschen. Ich esse beispielsweise vor allem Schokolade mit einem Kakaogehalt von mindestens 80 %. Diese enthält weniger Kohlehydrate.

Außerdem mache ich regelmäßig gesunde Brownies auf der Grundlage von Avocados. Die schmecken einfach toll! Ich friere einzelne Stücke ein und habe so immer etwas da. Sie können natürlich auch ein gesundes Bananenbrot backen. Oder Haferkekse mit Banane, Haferflocken und Ei. Die sind ideal für den kleinen Hunger zwischendurch.

Nehmen Sie Ihren neuen Körper an

Darüber hinaus versuche ich zu akzeptieren, dass sich mein Körper verändert und ich achte auf ein gepflegtes Äußeres. Ich verstehe gut, dass diese Veränderung für viele Frauen schwer zu akzeptieren ist, aber es hilft Ihnen tatsächlich. Den „neuen“ Körper zu akzeptieren, reduziert den Stress, und das wiederum hilft, das Gewicht zu halten. 

Mein Gehirn lässt mich im Stich

Allerdings merke ich auch, dass mein Gedächtnis mich öfter im Stich lässt, als das vor den Wechseljahren der Fall war. Dort, wo ich früher meinen scharfen Verstand einsetzte und als wandelnde Datenbank angesehen wurde, ist das nun etwas anders. Glücklicherweise weiß ich, dass dieses Phänomen wieder vorübergeht.  

Ich stelle daher sicher, dass mein Gehirn die benötigten Fette erhält. Das Gehirn besteht zu 70 Prozent aus Fetten. Ich esse zweimal pro Woche fetten Fisch und nehme zusätzlich Omega 3 ein. Das ist ebenfalls superwichtig für ein gutes hormonelles Gleichgewicht. In der Praxis: Ich kann nicht ohne meinen Notizblock und meine Post-its. Ich schreibe wirklich alles auf.

Meine Persönlichkeit verändert sich

Neben der physischen Veränderung stehen die Wechseljahre auch für eine mentale Veränderung. Es passiert viel mit Ihnen und dadurch treten Sie anders auf. Stärker, selbstbewusster, wohlgemerkt.  

Dadurch, dass unsere Östrogene und Oxytocin (das Kuschelhormon) weniger werden, fokussieren wir mehr auf uns selbst, statt auf andere. Das Verlangen, für andere zu sorgen, wird weniger. Eigentlich ziemlich schlau von der Natur, denn die Kinder sind häufig schon erwachsen und aus dem Haus und Sie haben mehr Zeit für sich selbst. Es ist kein Zufall, dass Frauen in den Vierzigern oder Fünfzigern andere Entscheidungen treffen. Eine neue Karriere? Ein anderer Weg? Ich höre es täglich in meiner Praxis.

Diese Erfahrung mache ich auch in meinen Wechseljahren. Ich habe weniger das Verlangen, für meine Familie alles stehen und liegen zu lassen. Die muss sich wohl daran gewöhnen, aber mir verschafft es mehr Freiraum. Und genauso muss es in dieser Lebensphase laufen, wenn Sie mich fragen.

Sie selbst können Beschwerden vorbeugen oder lindern

Da ich mich selbst schon seit einigen Jahren mit Gesundheitsfragen beschäftige, habe ich meinen Lebensstil schon ziemlich umgestellt. Auch schon, bevor ich in die Wechseljahre kam. Und das zahlt sich aus, denn Prävention ist hierbei sehr wichtig. Ernährung, Bewegung, Entspannung und Nahrungsergänzungsmittel sind dabei die wesentlichen Pfeiler.  

Was mir geholfen hat? 

  1. Die Stabilisierung des Blutzuckerspiegels. Achten Sie darauf, Ihren Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Schränken Sie die Einnahme von Zuckern und schnellen Kohlehydraten wie beispielsweise Chips, Kuchen, Pasta und Süßigkeiten ein. Fokussieren Sie sich auf Proteine und Fette und wählen Sie langsame Kohlehydrate wie zum Beispiel Quinoa, Vollkornpasta, Hülsenfrüchte und Vollkornreis. Ich habe vor Jahren begonnen, mich umzustellen und ich mag gar nicht mehr anders essen. Früher hatte ich regelmäßig Zuckertiefs, wonach ich mich schlecht und energielos fühlte. Doch die habe ich schon lange nicht mehr. 
  2. Genügend Entspannungsmomente einplanen. Ein ausgeglichenes Nervensystem hält auch Ihre Hormone im Gleichgewicht. Nicht immer unter Hochspannung stehen, sondern auch einmal abschalten. Tragen Sie Ruhezeiten in Ihrem Terminkalender ein. Gehen Sie beispielsweise in die Sauna, lesen Sie ein Buch oder machen Sie einen Spaziergang durch die Natur. Letzteres ist meine Lieblingsbeschäftigung. Wir haben einen Hund und wohnen in der Nähe eines Waldes. Wenn ich dann mit meinem Hund in den Wald eintauche, komme ich sofort zur Ruhe. 
  3. Muskeln trainieren. Da die Muskelmasse im Laufe der Jahre abnimmt, ist es wichtig, diese gut zu trainieren. Ich absolviere täglich ein kurzes Intervalltraining. Das dauert nur 7 Minuten. Es kostet also nur wenig Zeit, ist aber sehr effektiv. Denn je mehr Muskelmasse Sie besitzen, desto mehr winzig kleine „Energiefabriken“ befinden sich in Ihren Zellen. Die Energie hilft Ihnen, tagsüber die Dinge zu tun, die Sie gerne tun möchten. Noch ein Vorteil: Sie produzieren mehr Testosteron, welches Ihr Körper wiederum in Östrogen umwandeln kann. Und das ist ab der Menopause natürlich super! 

Pflegen Sie Ihren Körper

Ich sage immer: „Bis zum 40. Lebensjahr kümmert sich Ihr Körper um Sie, danach müssen Sie sich um Ihren Körper kümmern.“ Dass wir durch die Wechseljahre hindurch müssen, ist Fakt. Dann aber bitte mit möglichst wenig Beschwerden (anders hätte die Natur es auch nicht gewollt).  

Ist es notwendig, dass Sie Dinge anders machen als vor den Wechseljahren? Auf jeden Fall. Bedenken Sie jedoch, was diese Investition Ihnen bringt, wenn Sie mittels kleiner Veränderungen an Ihrem Lebensstil die Wechseljahre ein wenig erleichtern können. Denn ich bin wirklich der Meinung, dass diese Lebensphase das Potenzial hat, die schönste Phase Ihres Lebens zu werden.

Lindern Sie Ihre Beschwerden

Jede Frau erlebt ihren Körper in den Wechseljahren anders, und deshalb ist auch jede Behandlung anders. Erfahren Sie, wie Lebensstil, Ernährung, Nahrungsergänzungsmittel und medizinische Behandlungen Ihre Gesundheit in dieser Phase unterstützen können.

Quellennachweis

  • Dasgupta D, Ray S. (2016.) Is menopausal status related to women's attitudes toward menopause and aging? PMID: 26940232.
  • Guérin E, Goldfield G, Prud'homme D. (2017). Trajectories of mood and stress and relationships with protective factors during the transition to menopause: results using latent class growth modeling in a Canadian cohort. PMID: 28707156.
  • Külzow N, Witte AV, Kerti L, Grittner U, Schuchardt JP, Hahn A, Flöel A. (2016). Impact of Omega-3 Fatty Acid Supplementation on Memory Functions in Healthy Older Adults. PMID: 26890759.
  • International Menopause Society. Dutch Menopause Society (DMS). Begrippenlijst. https://www.menopauseinfo.org/wp-content/uploads/2023/01/IMS-DUTCH-Factsheet-4-glossary.pdf

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