Stellen Sie fest, dass Sie schneller gereizt oder emotionaler sind? Sind Sie nicht mehr so aufmerksam und konzentriert? Fühlen Sie sich weniger selbstsicher? Sie sind nicht die Einzige. Es gibt viele Frauen, die berichten, dass sie während der Wechseljahre Veränderungen in ihrer Stimmung und ihrem Charakter bemerken. Das kann verwirrend und sogar beängstigend sein, schließlich erkennt frau sich selbst häufig nicht wieder, aber sie sind in der Regel ein normaler Bestandteil dieses Lebensabschnitts.
Wir erklären, was passiert und warum.
In den Wechseljahren verändert sich der Hormonspiegel stark. Ihr Körper produziert weniger Östrogen und Progesteron. Das hat nicht nur körperliche, sondern auch geistige und emotionale Auswirkungen. Hormonrezeptoren befinden sich nämlich auch im Gehirn, und Hormone spielen daher eine wichtige Rolle für die Stimmung und die Art und Weise, wie Sie Gefühle erleben und verarbeiten.
Hormonelle Schwankungen können sich so auf verschiedene Aspekte Ihrer Stimmung und Persönlichkeit auswirken, wie z. B:
Zunächst einmal ist es wichtig, zwischen Ihrer Stimmung, Ihren Emotionen und Ihrem Charakter zu unterscheiden. Ihre Stimmung und Ihre Emotionen können sich täglich (oder sogar stündlich) ändern - vor allem in den Wechseljahren. Ihr Charakter hingegen besteht aus tief verwurzelten Persönlichkeitsmerkmalen, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben.
Die Forschung zeigt, dass die Wechseljahre vor allem Ihr emotionales Wohlbefinden und Ihre Stimmung beeinflussen. Ihre Persönlichkeit bleibt weitgehend stabil. Was viele Frauen erleben, ist weniger eine charakterliche Veränderung als vielmehr eine vorübergehende Veränderung im Umgang mit Gefühlen und der Art, wie sie auf sie reagieren.
Sie sind zum Beispiel nicht plötzlich zu einem reizbaren Menschen geworden, aber Sie merken, dass Sie aufgrund von Hormonschwankungen und Wechseljahrsbeschwerden schneller reizbar werden. Und Sie sind nicht zu einem ängstlichen Typen mutiert, aber Sie erleben häufiger Momente der Unsicherheit. Sie bleiben einfach derselbe Mensch, Sie machen nur eine schwierige Phase durch.
Es gibt verschiedene mentale, emotionale und kognitive Veränderungen, die frau in den Wechseljahren erleben kann.
Aufgrund von Hormonschwankungen erleben Sie eventuell emotionale Symptome wie Stimmungsschwankungen, eine kurze Zündschnur, Angst, Unsicherheit oder düstere Gefühle. Dadurch fühlen Sie sich häufig wie ein „anderer Mensch“. Bei den meisten Frauen sind diese emotionalen Veränderungen nur vorübergehend.
In den Wechseljahren können Sie mehr Stress empfinden, da der Cortisolspiegel in Ihrem Körper steigt. Sie können sich angespannter und unruhiger fühlen, auch ohne dass es eine direkte Ursache dafür gibt. Außerdem wird die Produktion von Progesteron, das eine beruhigende Wirkung auf Ihren Körper hat, unterdrückt, wenn Ihr Körper Cortisol produziert.
Östradiol (eine Form von Östrogen) ist an Ihren kognitiven Funktionen beteiligt, einschließlich Ihres Gedächtnisses und Ihrer Konzentration. Ein sinkender Östrogenspiegel kann somit zu Konzentrationsschwäche, Brainfog und Vergesslichkeit beitragen. Viele Frauen berichten, dass sie in den Wechseljahren vergesslicher und weniger scharfsinnig sind - denken Sie daran, dass dies größtenteils eine Folge der schwankenden Hormone ist.
Obwohl der Zusammenhang zwischen Östrogen, Oxytocin und Ihrer Stimmung noch nicht vollständig geklärt ist, scheint es, dass das Hormon Oxytocin (auch bekannt als das „Fürsorgehormon“) in den Wechseljahren abnimmt.
Oxytocin wird unter anderem bei sozialen Interaktionen freigesetzt. Es beeinflusst Ihr Verhalten, zum Beispiel gegenüber Ihren Kindern oder Ihrem Partner. Wenn das Hormon also abnimmt, nimmt das Bedürfnis ab, sich um andere zu kümmern, auch wenn Sie das jahrelang gerne getan haben. Und das ist überhaupt nicht schlimm! Sehen Sie es als einen Moment der Reflexion und der persönlichen Entwicklung. Vielleicht ist es genau das, was Sie jetzt brauchen.
Abnehmende Östrogen- und Progesteronspiegel können auch Ihren Schlaf beeinflussen, Hitzewallungen verursachen, Gelenkschmerzen verursachen, dazu führen, dass Sie (aus heiterem Himmel) zunehmen, und so gibt e noch andere Symptome, die die Wechseljahre für Sie bereithalten können. Diese Beschwerden machen es Ihnen in der Regel nicht leichter, und es ist normal, dass Sie sich dadurch gereizt, gestresst, überfordert, unsicher, aus der Bahn geworfen oder einfach „anders“ fühlen. Denken Sie daran: Das wird mit der Zeit wahrscheinlich vergehen.
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Obwohl alle Frauen ihre Wechseljahre unterschiedlich erleben, sind die meisten (Persönlichkeits-)Veränderungen während der Wechseljahre nur vorübergehend. Ihr Körper sucht nach einem neuen Gleichgewicht in Ihrem Hormonhaushalt, und das braucht seine Zeit. Denken Sie daran, dass sich viele Frauen nach der Menopause allmählich besser fühlen.
Trotz aller Herausforderungen, die die Wechseljahre mit sich bringen können, unterstreicht die Forschung auch, dass dies eine Phase sein kann, in der frau wachsen und sich (neu) entdecken kann. Viele Frauen berichten, dass sie sich nach den Wechseljahren selbstbewusster und stärker fühlen.
Wenn Sie eine schwierige emotionale oder mentale Phase durchmachen und sich nicht wohl fühlen, ist es wichtig, gut auf sich selbst aufzupassen. Die folgenden Tipps können dabei helfen:
Eine Wechseljahreberaterin erzählt: So erlebe ich selbst die Wechseljahre
Viele Dinge, die Sie während der Wechseljahre erleben, sind ein normaler Teil dieser Phase. Wenn die Beschwerden jedoch zu stark werden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Zum Beispiel, wenn Sie sich über längere Zeit traurig und bedrückt fühlen, Angstsymptome auftreten, die nicht verschwinden, Stimmungsschwankungen Ihr tägliches Leben beeinträchtigen und Sie das Gefühl haben, die Kontrolle zu verlieren. Gemeinsam können Sie nach einer geeigneten Lösung suchen.
Betti, S., Orsini, M.R., Sciaky , R. et al. (2001). Attitudes towards menopause in a group of women followed in a public service for menopause counseling (Einstellungen zur Menopause in einer Gruppe von Frauen, die in einer öffentlichen Beratungsstelle für die Menopause betreut wurden.) https://link.springer.com/article/10.1007/BF03353429
Rigney N, de Vries GJ, Petrulis A, Young LJ. (2022). Oxytocin, Vasopressin, and Social Behavior: From Neural Circuits to Clinical Opportunities. (Oxytocin, Vasopressin und soziales Verhalten: Von neuronalen Schaltkreisen zu klinischen Möglichkeiten.) PMID: 35863332.
Bromberger JT, Kravitz HM. (2011). Mood and menopause: findings from the Study of Women's Health Across the Nation (SWAN) over 10 years. (Stimmung und Wechseljahre: Ergebnisse der SWAN-Studie (Study of Women's Health Across the Nation) über 10 Jahre). PMID: 21961723.